Für einen Kongreß merkwürdiger Religionen
Wir haben gelernt, dem Verb sein, dem Wort ist zu mißtrauen – sagen wir lieber: seht die auffallende Ähnlichkeit zwischen dem Konzept SATORI & dem Konzept REVOLUTIONIERUNG DES ALLTAGSLEBENS (RdA) – in beiden Fällen: eine Wahrnehmung des »Gewöhnlichen« mit außergewöhnlichen Konsequenzen für Bewußtsein & Aktion. Wir können nicht sagen »ist wie«, da beide Konzepte (wie alle Konzepte, was das betrifft: alle Wörter) zu sehr beladen sind – ein jedes mit der Last psycho-kulturellen Gepäcks, wie Gäste, die auffällig gut ausgerüstet zum Wochenendbesuch auftauchen.
Erlaubt mir den altmodischen Beat/Zen-Gebrauch von Satori und die gleichzeitige Betonung – was den situationistischen Slogan betrifft – daß eine der Wurzeln seiner Dialektik in der dadaistischen & surrealistischen Vorstellung des »Wunderbaren« zu finden ist, das aus dem Leben hervor- oder in ein Leben hineinbricht, das vom Banalen, vom Elend der Abstraktion & Entfremdung erdrückt zu werden scheint. Ich definiere meine Begriffe eher vage, um genau die Orthodoxie von Buddhismus & Situationismus zu vermeiden, ihren ideologisch-semantischen Fallen zu entgehen – diesen kaputten Sprachmaschinen! Stattdessen schlage ich vor, Teile davon in einem Akt kultureller Bricolage zu plündern. (…)
Text: Hakim Bey, T. A. Z. Die Temporäre Autonome Zone. Ed. ID-Archive Berlin 1994, S.92-93
goldgelb zeit und
raum gmbh
the valley
kemptpark 28
8310 kemptthal
info@mischzeit.ch